Aktuelle Meldung
10.9.2012

Vernissage zu "Inspiration Mensch"

Krankenhaus St. Barbara Schwandorf
Die Schwandorfer Künstlerin Nicole Matschiner stellt noch bis zum 4. November 2012 rund 50 ihrer Werke im Krankenhaus St. Barbara aus.

Rede des Geschäftsführers Dr. Martin Baumann bei der Vernissage:

Sehr geehrte Schwester Oberin Kunigunde,
sehr geehrte Schwester Ruth,
sehr geehrte Damen und Herren von der Presse,
sehr geehrte Kunstsinnige,

und natürlich sehr geehrte Künstlerin,

ich freue mich sehr Sie heute hier zur Eröffnung der Bilderausstellung begrüßen zu dürfen. Bevor ich Ihnen die Hauptperson des heutigen Abends, die Künstlerin Nicole Matschiner, etwas näher vorstelle, erlauben Sie mir, dass ich ein wenig darüber sinniere, warum wir heute im Krankenhaus St. Barbara Kunst sehen.

Seit über 500 Jahren helfen die Barmherzigen Brüder bedürftigen Menschen auf der ganzen Welt. Nach dem Vorbild unseres Ordensgründers, des heiligen Johannes von Gott, fördern wir Menschen mit Behinderung, pflegen kranke und alte Menschen, helfen Sterbenden, ihren Lebensweg in Würde zu vollenden, und bemühen uns, die Lebenssituation von Kindern zu verbessern.

Kunst und Kultur haben seit jeher eine wichtige Rolle im Orden der Barmherzigen Brüder gespielt. So haben zum Beispiel Leben und Werk des heiligen Stifters gleich nach seinem Tod in zahlreichen künstlerischen Darstellungen Niederschlag gefunden. Dasselbe gilt vom Werk, das der Orden in seiner Nachfolge weiterführte. Für die Kunst bei den Barmherzigen Brüdern über die Jahrhunderte ist ganz besonders der Umgang Jesu mit Kranken, Armen und Entrechteten sowie seine Annahme von Leiden und Tod wichtig. Doch auch jenseits der unmittelbar religiösen Motive spielt die Kunst im Krankenhaus eine bedeutende Rolle:
 
Überraschender Weise hat sich sogar die UNESCO mit dem Thema Kultur im Krankenhaus beschäftigt. Unter anderem wurde in einem Papier festgehalten, dass die Kultur im Krankenhaus ihm dabei hilft, die kulturell-gesellschaftliche Anbindung zu erhalten und sie hilft heilen. Kunst hat immer auch einen therapeutischen Wert – für den Betrachter dessen Gefühlwelt im besten Fall tief berührt wird und den Schöpfer. Manchmal ist zum Verständnis der Kunst die Interpretationshilfe von Experten notwendig, manchmal kann man Kunstwerke von der Lebenserfahrung der Schöpfer selbst deuten, doch in den meisten Fällen sprechen sie für sich selbst.

Ich glaube fest daran, dass die Dinge, mit denen man sich umgibt, einen prägen. Wir wollen mit der Kunst bei den Patienten, Angehörigen und Mitarbeitern einen kleinen Beitrag dazu leisten, dass sich die Menschen bei uns wohlfühlen und zum Nachdenken angeregt werden.

Erlauben Sie mir abschließend, dass ich noch ein wenig weiter sinniere. Nicht über diese konkrete Ausstellung. Davon verstehe ich als Ökonom ehrlich gesagt zu wenig. Nein, über die Wege und Umwege des Lebens.

„Viele Wege führen nach Rom", „Der Weg ist das Ziel" oder „Sie hat ihren Weg gemacht". Die deutsche Sprache kennt viele Sprichwörter, in denen der Weg eine Rolle spielt. Ein anderer Satz, auf den ich etwas näher eingehen möchte, lautet: „Umwege sind auch Wege".

Haben Sie nicht auch schon einmal erlebt, dass Sie ein Ziel erst über Umwege erreichen konnten? Dann befinden Sie sich in prominenter Gesellschaft. Otto Rehagel erlernte erst den Beruf des Malers und Anstreichers, bevor er sich als Fußballtrainer einen Namen machte. Moderator Stefan Raab machte eine Metzgerlehre, bevor er zu einem der gefragtesten deutschen TV-Entertainer aufstieg. Und Altkanzler Gerhard Schröder kam auch nicht als Politiker zur Welt. Er absolvierte eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann in einem Eisenwarengeschäft.

Warum ich Ihnen dies erzähle? Weil auch unsere Künstlerin Nicole Matschiner erst über Umwege zur Kunst kam. Und einer dieser Umwege führte sie auch zu uns ins Krankenhaus St. Barbara. Zwar wurde schon ihr Kunstlehrer im Leistungskurs am Carl-Friedrich Gauß-Gymnasium auf ihre besondere künstlerische Begabung aufmerksam, dennoch studierte sie nach dem Abitur zunächst einmal Medizin und Zahnmedizin. Während des Studiums stand ein Pflegepraktikum an, welches sie bei uns ableistete. 

Doch der Drang nach Kunst bahnte sich seinen Weg. Nicole Matschiner, eine gebürtige Schwandorferin, hat – wie man so schön sagt – mittlerweile „ihren Weg gemacht". Sie pendelt regelmäßig zwischen Schwandorf und Stockholm und hat ihr Leben der Kunst gewidmet. Und dieses Leben gestaltet sie sich sehr abwechslungsreich. Wenngleich sie ihren schöpferischen Schwerpunkt auf die Malerei setzt, zeigt sie uns ab heute und noch bis zum 4. November auch Tuschezeichnungen aus ihrer Feder in dieser Ausstellung.

Lassen Sie sich dazu einladen, mit Nicole Matschiner heute Abend ein paar Schritte zu gehen und sich von ihr von Bild zu Bild begleiten zu lassen. Der Regensburger Kunstprofessor Manfred Dinnes, der leider vor genau zwei Wochen aus dem Leben geschieden ist, mahnt die Künstler: „Kunst darf nicht zum bloß ästhetisch Schönen verkommen. Sie hat eine viel größere Aufgabe. Kunst muss provozieren, muss herausfordern, muss nachdenklich stimmen, um wirklich im Alltag des Betrachters eine Spur zu hinterlassen." Diese Aussage macht für mich deutlich worum es bei der Wahrnehmung von Kunst geht.

Tauchen Sie mit Nicole Matschiner ein in die Welt der Kunst, die diesmal diesen Namen trägt: „Nicole Matschiner – ART – Inspiration Mensch".