Pressebericht
10.6.2006

Barmherzige Brüder gedenken des 60. Todestags von Frater Eustachius Kugler

Provinzialat der Barmherzigen Brüder

Bischof Gerhard Ludwig Müller bei seiner Predigt

Frömmigkeit und Tatkraft vereinte Frater Eustachius Kugler (1867 – 1946), der langjährige Provinzial und Erbauer des Regensburger Krankenhauses der Barmherzigen Brüder, in seiner Person. Im Dezember 2005 unterzeichnete Papst Benedikt XVI. das Dekret, mit dem die „heroischen Tugenden" von Frater Eustachius Kugler anerkannt wurden. Für eine Seligsprechung fehlt jetzt nur noch die Anerkennung eines Wunders: Auf Diözesanebene wurde bereits ein Prozess über ein mutmaßliches Wunder geführt – der Vorgang wird nun im Vatikan geprüft. Am Samstag, den 10. Juni, beging der Orden mit einer zentralen Feier in Regensburg den 60. Todestag von Frater Eustachius Kugler. Bereits zwei Tage zuvor, am 8. Juni, hatten viele Regensburger die Chance genutzt, um bei einer Klosternacht einen Blick hinter die Kulissen von Krankenhaus und Konvent zu werfen und auf den Spuren Eustachius Kuglers zu wandeln. Auch in den anderen Einrichtungen der Bayerischen Ordensprovinz fanden und finden Gedenkveranstaltungen statt.

Der Einladung der Ordensleitung nach Regensburg waren Brüder sowie Mitarbeiter- und Heimbewohner-Vertreter aus allen Einrichtungen der Barmherzigen Brüder in Bayern gefolgt, darüber hinaus zahlreiche Persönlichkeiten aus Kirche und Welt, unter ihnen Gerhard Weber, 2. Bürgermeister der Stadt Regensburg.

Gemeinsam mit 13 weiteren Priestern zelebrierte der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller den Festgottesdienst in der St. Pius-Kirche. Zu den Konzelebranten gehörten unter anderem Caritasdirektor Monsignore Bernhard Piendl und Pater Félix Lizaso Berruete, Generalpostulator der Barmherzigen Brüder, der für Seligsprechungsprozesse zuständig ist und eigens aus Rom angereist war. Zur würdigen Gestaltung der Feier trug mit der Aufführung der Cäcilienmesse von Charles Gounod die Chorgemeinschaft St. Fidelis/St. Pius unter der Leitung von Reinhard Stegmaier bei.

In seiner Predigt erinnerte Bischof Müller mit den Stichworten Krieg, Massenmord und Vertreibung an die historische Situation im Todesjahr Eustachius Kuglers – 1946. „Das Böse hatte sein Haupt erhoben." Was sollten Frieden, Liebe und Barmherzigkeit dagegen ausrichten? Gerade ein Leben wie das von Eustachius Kugler zeige aber: „Die Liebe Gottes ist stärker als die Zerstörungsmacht des Bösen." Der Barmherzige Bruder habe „inneres Mitleid" entwickelt und sich für kranke und behinderte Menschen eingesetzt. Der Bischof forderte die Festgäste auf, den Begriff des „Opfers" neu, positiv, zu interpretieren. Opfer bedeutet demnach „mich mit meinen Gaben denen zuwenden, die der Hilfe bedürfen". Weiter sagte der Bischof: „Wir sind nicht in der Welt, um uns ein schönes Leben zu machen", sondern das Leben solle mit Liebe und Dienstbereitschaft gefüllt werden.

Beim anschließenden Festakt charakterisierte Frater Rudolf Knopp, Provinzial der Barmherzigen Brüder in Bayern, Frater Eustachius Kugler mit drei Begriffen: „der auf Gott Vertrauende, der Mitbrüderliche und der Liebevolle" und belegte dies unter anderem mit einem Zitat aus dem Jahr 1902. Eustachius Kugler schrieb damals: „Wir wollen uns einander tragen und zu Hilfe kommen und unsere armen Kranken, wie in der Person Jesu Christi, vor Augen haben und ihnen mit Liebe dienen."

Professor Karl Hausberger, Lehrstuhlinhaber für Mittlere und Neuere Kirchengeschichte an der Universität Regensburg, hielt den Festvortrag über die Entwicklung der bayerischen Klosterlandschaft im 19. Jahrhundert und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts – zugleich als „Beitrag zum religiös-spirituellen Umfeld von Frater Eustachius Kugler". Nach der Auflösung der Klöster im Gefolge der Säkularisation von 1803 stellte sich sehr schnell heraus, dass der Staat gar nicht in der Lage war, die Aufgaben im Bildungsbereich und im karitativen Sektor zu bewältigen, die bisher von den Klöstern geleistet worden waren. So begann mit der Thronbesteigung Ludwig I. im Jahre 1825 ein „Klosterfrühling" mit lang anhaltender Wirkung und mit zahlreichen Neugründungen. Vor allem die Frauengemeinschaften erlebten eine ungeahnte Blüte. Dabei ging es immer weniger um einen „Rückzug von der Welt" als vielmehr um ein „Hineinwirken in die Welt". Die Ordensschwestern konnten „Türen öffnen, die sich vor dem Priester verschlossen". Eine Krankenschwester etwa machte erfahrbar, dass „das Heil Gottes etwas mit dem ganzen Menschen zu tun hat." Das gilt analog auch für die Barmherzigen Brüder als Krankenpflegeorden.

1902 – 100 Jahre nach der Säkularisation und neun Jahre nach dem Ordenseintritt von Frater Eustachius Kugler – hatten die männlichen Ordensgemeinschaften in Bayern 1850 Mitglieder, drei Mal so viele wie im Jahr 1846, die Mitglieder der Frauen-Gemeinschaften hatten sich in der gleichen Zeit fast verzehnfacht auf etwa 11.200. 1933 waren es bei dem Männern sogar 3790 Mitglieder und bei den Frauen mehr als 26.000 – so viel wie heute etwa deutschlandweit.

Die Nazis setzten den Ordensgemeinschaften schwer zu. Auch Frater Eustachius Kugler hatte unter zahlreichen Gestapo-Verhören zu leiden. In den Jahren 1935 bis 1937 versuchten die braunen Machthaber beispielsweise, Ordensgemeinschaften durch Prozesse wegen Devisen-Vergehen und Sittlichkeitsdelikten in Misskredit zu bringen. Eine Geheimanweisung des Reichssicherheitsdienstes vom Februar 1938 spricht eine deutliche Sprache: „Die Orden sind der militante Arm der katholischen Kirche. Sie müssen daher von ihren Einflussgebieten zurückgedrängt, eingeengt und schließlich vernichtet werden." Während des Zweiten Weltkrieges aber brauchte man gerade die Krankenpflegeorden zur Versorgung der Verwundeten. 1945 lagen dann viele Häuser in Trümmern, waren zweckentfremdet oder beschlagnahmt. Das trifft auch für die Einrichtungen der Bayerischen Ordensprovinz der Barmherzigen Brüder zu, für die bei Kriegsende Frater Eustachius Kugler schon 20 Jahre lang die Verantwortung trug. Ein Jahr später starb er in Regensburg.

Ansprechpartner:

Johann Singhartinger, Provinzialat der Barmherzigen Brüder, Telefon: 089/1793-107, E-Mail: redakteur@barmherzige.de